Enterprise 2.0 - Das Potenzial der Mitarbeiter

Veröffentlicht auf 23. Februar 2009

In den letzten paar Jahren hat sich das Internet stark verändert. Während man früher noch surfen ging, geht man heute Freunde treffen, Kontakte pflegen, sich selbst präsentieren oder verschiedene Medien konsumieren. Möglich machen dies Blogs, RSS, Wikis, Podcasts, Soziale Netzwerke, Semantische Angebote, Portale, Tauschbörsen oder virtuelle Welten und Spiele.
Insgesamt hat sich für diese Veränderung der Begriff (manche sagen fälschlicherweise) "Web 2.0" etabliert.

Als Folge des Einzugs der agilen Softwareentwicklung in Unternehmen mit weniger Hierarchien, aber mehr Selbstverwaltung/-steuerung und einer Verantwortungsverschiebung auf die unteren Ebenen, wird der Einsatz dieser Web 2.0 Anwendungen zunehmend zur Projektkoordination, zum Wissensmanagement oder zur Kommunikation interessant, also alles Erfolgsfaktoren in der modernen Softwareentwicklung. Für diesen Wandel in der Unternehmenskultur hat sich dann auch der Gesamtbegriff "Enterprise 2.0" herausgebildet.

Der Begriff "Enterprise 2.0" soll zuerst von Andrew P. McAfee, einem Professor an der Universität Harvard, in einem über das Thema "Social Software im Unternehmenskontext" veröffentlichtem Artikel namens "Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration" verwendet worden sein.
McAfee ist davon überzeugt, dass Informationen im Internet schneller und effizienter gespeichert und gefunden werden können, als in jedem Firmen Intranet oder einer Dateiablage. Verantwortlich für diesen Effekt seien die Eigenschaften der Web 2.0 Anwendungen, die er unter dem Begriff SLATES (Search, Links, Authoring, Tags, Externsions and Signals) zusammenfasst.
Er beschreibt das gemeinsame Sammeln von Inhalten, Zuordnung der Informationen zu Stichworten, Kategorisierung, den Aufbau von Navigationsstrukturen, die optimale Anpassung an Strukturen und aktive, aber gezielte Informationsverbreitung.

Für den Einsatz von Web 2.0 Technologien im Unternehmen gelten aber allgemein auch besondere Voraussetzungen! Entsprechende Geschäftsprozesse müssen etabliert, die aktive Kommunikation und der offenen Dialog zwischen Mitarbeitern muss vom Management gezielt gefordert werden.
Das Management muss lernen "los zu lassen" und nur noch moderierend einzugreifen. Mitarbeiter müssen lernen ihre bisherige "Unmündigkeit" abzulegen, selbst die Initiative zu ergreifen und die größere Verantwortung annehmen. Nur so kann ein reger Wissensaustausch stattfinden, Kreativität entwickelt und ein Mehrwert gewonnen werden.

Den größten Vorteil von Enterprise 2.0 sehen die Macher besonders darin, die Junge Generation besser einbinden zu können. Sie sei nicht mehr an die starren Strukturen gewohnt und würde es nicht verstehen, wenn gute Ideen nicht wie gewohnt diskutiert, sondern aus firmenpolitischen Positionen heraus verworfen würden. Gewöhnliche Dateiablagen entsprächen nicht ihrem Standard, mit Wikis kenne sie sich allerdings aus.
So genannte U-Boot-Projekte existieren vielleicht bereits in ihrem Unternehmen. Mitarbeiter, die sich Verbesserungen wünschten und nicht bekamen, haben diese "Arbeitsinseln" aufgebaut. Man darf sie jedoch nicht einfach als "schlecht" abstempeln, denn genau diese Mitarbeiter haben das Potenzial und die nötige Erfahrung gesammelt, um Enterprise 2.0 Wissen in die Firma erfolgreich einbringen zu können. Nutzen sie doch diesen Vorteil!

Letztendlich wird also jede Firma irgendwann in Berührung kommen mit Enterprise 2.0. Es bleibt also nur die Frage, wie lange man diese Tendenzen ignorieren kann und welche Auswirkungen dies haben wird.
Meiner Meinung nach muss man sich bereits heute damit beschäftigen, um Wildwuchs (U-Boot-Projekte!) im Unternehmen verhindern und gleich zu Beginn eine einheitliche Basis schaffen zu können. Aus Erfahrung wissen die meisten Manager ja, das alles andere nur enorme Kosten nach sich zieht. Des Weiteren hat sich gezeigt, dass Enterprise 2.0 viel Anlaufzeit benötigt, bis sie ihren vollen Nutzen entfalten.
Es stellt sich also die Frage, ob man diesen vielversprechendsten Ansatz der letzten Jahre überhaupt ignorieren darf und ob man den Vorsprung, den einige Mitbewerber z.B. im Wissensmanagement in ein paar Jahren haben könnten, überhaupt wieder aufholen kann?


Interessant dürfte für Sie vielleicht auch die Reihe "Projektmanagement 2.0 Einsatzmöglichkeiten und Entwicklungstrends" des Projektmanagement 2.0 Blogs in Zusammenarbeit mit T-Systems MMS sein.
Die erste Präsentation beschäftigt sich mit “Wissensmanagement im Enterprise 2.0 - Der Wikipedia Irrtum”. Sie handelt vom Scheitern von Web 2.0 Anwendungen in "alten" Strukturen und mit "alten" Methoden. Die zweite Präsentation ”Die Entdeckung des Menschen” handelt vom Einsatz von geeigneten Anwendungen und warum der Mensch im Mittelpunkt des "neuen" Wissenmanagements stehen muss, um bestehen zu können. Die letzte Präsentation "Enterprise 2.0 greifbar machen" gibt nun konkrete Tipps für die Umsetzung auf organisatorischer, technischer und kultureller Ebene.


Anwendungsgebiete von Web 2.0 Anwendungen im Unternehmensumfeld
Blogs / RSS:
Interne: Gezielte Verbreitung von Informationen / aktuelle Veränderungen an Mitarbeiter. Mitarbeiter entscheiden selbst, was wichtig für sie ist. Vermeidung von "SPAM" (Wartungsmails, ...).
Externe: Aktive Kommunikation mit Partnern und Kunden. Persönlichere Kontakte. Repräsentation des Unternehmens. Marketingwirksam.
Micro-Blogs: Siehe Blogs. Komprimierte Infos (short message services) von Einzelpersonen an andere.
Wikis: Informationen können leicht gefunden werden. Einfaches Wissensmanagement. Zentrale Informationsspeicherung. Ein Medium für vieles.
Chats: Direkte Kommunikation per Text. Ermöglicht Datenübermittlung.
Soziale Netzwerke: Exklusives Gemeinschaftsgefühl. Selbstvermarktung. Nutzen von persönlichen Verbindungen. Telefonbuch der Zukunft?
Soziales Bookmarking: Was lesen die anderen gerade, was können sie empfehlen, was ist relevant?
Portale: Nutzung von neuen Medien. Erreichung der modernen Zielgruppe. Ansprechende Vermittlung des Inhalts.


Buchtipp:

Enterprise 2.0
Titel: Enterprise 2.0: Die Kunst, loszulassen
Autor: Willms Buhse, Sören Stamer
Verlag: Rhombos-Verlag
Sehr gute Einführung in die Thematik und Problematik

Geschrieben von Robert Bullinger

Veröffentlicht in #Expertise

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