Software Defect Reduction Top 10 List von Barry Boehm

Veröffentlicht auf 5. August 2009

1. Nach der Auslieferung auftretende Fehler zu beheben ist in der Regel 100 mal teurer, als während der Anforderungs- oder Designphase.
Eine gute Architektur kann diesen Faktor auch bei komplexen Systemen deutlich senken.

2. Aktuelle Softwareprojekte verwenden 40-50% Ihrer Anstrengungen für vermeidbare Mehrarbeit.
Viele Fehler sind vermeidbar und hätten in frühen Phasen durch aktive Qualitätsmaßnahmen gefunden werden können. Auch Software Prozessoptimierung kann unnötige Mehrarbeit vermeiden.

3. 80% der vermeidbaren Mehrarbeit ist auf 20% der Defects zurückzuführen.
Durch sorgfältiges Requirements-Engineering kann ein Großteil dieser Defects vermieden werden. Große Architektur-, Design- oder Codeänderungen können so vermieden werden.

4. 80% der Defects stammen aus 20% der Module, rund 50% aller Module sind fehlerfrei.
Statische Tests und Codemetriken können helfen die Qualität des Codes zu verbessern.

5. 90% der Ausfallzeit eines Systems ist auf 10% der Defects zurückzuführen.
Risikobasiertes Testen kann helfen, diese Fehler frühzeitig zu finden.

6. Experten Reviews finden bis zu 60% der Defects.
Peer Reviews, statische Analysewerkzeuge und Softwaretest finden unterschiedliche Fehler in unterschiedlichen Phasen der Softwareentwicklung.

7. Perspektivische Reviews finden 35% mehr Defects als indirekte Reviews.
Mischen Sie das Reviewteam mit IT-, fachlichen und unerfahrenen Mitarbeitern.

8. Diszipliniertes persönliches Arbeiten kann die Fehlerrate um bis zu 75% reduzieren.
Ein Beispiel ist der Personal Software Process (PSP) kombiniert mit dem Team Software Process (TSP).

9. Es kostet 50% mehr Zeit und Ressourcen hochzuverlässige Software zu entwickeln als wenig zuverlässige.
Im Betrieb kann sich diese Investition in relevante Software aber für ein Unternehmen auszahlen.

10. 40 bis 50% der Anwendungssoftware beinhaltet nicht triviale Defects.
Diese Fehler befinden sich oft auch im vom Entwickler verwendeten Programmier-Framework.


Die Erkenntnisse der Studien, auf denen diese Top 10 Liste basiert, sind in das COCOMO II Modell zur Bewertung und Aufwandsschätzung von Projekten eingeflossen.

Quelle: http://www.cs.umd.edu/projects/SoftEng/ESEG/papers/82.78.pdf
oder dieser umfassende Artikel der Computerwoche rund um Software-Qualitätsmanagement: http://www.computerwoche.de/software/software-infrastruktur/1867513/index.html#d2e86

Geschrieben von Robert Bullinger

Veröffentlicht in #Expertise, #Softwarequalität

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software 08/12/2009 19:58

Interessante Ergebnisse, tja Qualität sollte doch vor Quantität gehen

Robert Bullinger 08/12/2009 20:08


Leider ist Quantität leichter zu erreichen ... dementsprechend handeln wohl auch viele Menschen.