Wie sinnvoll sind Metriken?

Veröffentlicht auf 6. Januar 2011

Ein berühmtes Zitat von Tom DeMarco lautet: "You can't control what you can't measure."
Inzwischen hat er es zwar selbst wieder etwas revidiert, es hat aber immer noch seine Gültigkeit. DeMarco gibt inzwischen zu, dass er teilweise falsch lag und es im Projektmanagement immer Bereiche geben wird, die nicht messbar sein werden, aber trotzdem gezielt gesteuert werden müssen und dass es auch Projekte gibt, die ohne Metriken erfolgreich sein werden.

Besonders bei komplexen und großen Projekten können gute Metriken jedoch ihre Stärken ausspielen. Sie helfen bei der Planung, vereinfachen das Gesamtbild, warnen vor Risiken und können richtig angewandt Managern gute Dienste bei Ihrer Arbeit leisten. Genauso sind sie bei vertraglichen Regelungen zwischen mehreren Parteien fast unverzichtbar, wenn man das eigene Risiko bei relevanten Themen möglichst gering halten möchte.


Metriken werden aus den unterschiedlichsten Gründen erfasst: Weil man ...
* den Fortschritt messen möchte
* einen Zustand eines Objektes erfassen möchte
* Gefahren erkennen und gegensteuern möchte
* Daten zur späteren Wiederverwendung sammeln möchte
* die Vorgaben des Managements erfüllen muss
* Berichte an die Firmenleitung liefern muss
* gehört hat, dass es sinnvoll ist
* es anderen gleich tun möchte
* professionell wirken möchte
* ein Tool hat, dass es einfach kann
* ...

Metriken sollten aber vor allem nützlich sein und nicht dem Selbstzweck dienen oder einem Kontrollzwang.
Nützliche Metriken regen zu Diskussionen an und führen im optimalen Fall zu Entscheidungen.

Sie lassen sich grob einteilen in Produkt- und Prozess-Metriken und sollten folgende Eigenschaften haben:
* Objektiv und unabhängig
* Eindeutig und nicht zufällig
* Vergleichbar und übertragbar
* leicht und kostengünstig zu erfassen
* Aussagekräftig und bewertbar

Eine weit verbreitete Methode zur Bestimmung von Metriken ist die Goal Question Metric, kurz GQM.
1. Definition der Ziele
2. Formulierung von Fragen, die beantworten können, ob und wie die Ziele erreicht werden.
3. Detaillierung der Fragen, bis Metriken bestimmt werden können.
4. Einführung von Werkzeugen zur Sammlung von relevanten Daten.
5. Daten sammeln, analysieren und interpretieren.
6. Daten bewerten und Entscheidungen treffen. Nützliche Daten dauerhaft speichern.

Interessante Test-Metriken sind Metriken zu:
* Anforderungsüberdeckung
* Testabdeckungsgrad
* Komplexitätsmaße
* Fehlerfindungsraten pro Objekt/Phase
* Zeitaufwand für Aktivitäten
* Ergebnisauswertungen und Anteile
* Effektivität
* Planabweichungen

Typische Fehler bei der Verwendung von Metriken ist das allgemeine Zählen von Objekten (Fehleranzahl, Testfallanzahl etc. -> allein keine Aussagekraft), Ziele werden an Mengen festgemacht (10 neue Testfälle pro Woche etc. -> falsche Anreize), Gründe für Probleme werden gesucht (Entwickler macht zu viele Fehler, Tester findet zu viele Fehler etc. -> demotivierend) oder der Aufwand ist zu groß (Metriken zur Generierung von Arbeit).

Geschrieben von Robert Bullinger

Veröffentlicht in #Testmanagement, #Softwarequalität

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